Cutwini - Pondoland

06.02.2018

Bericht des Einsatzes in Südafrika im Januar 2018
Computerlieferung nach Cutwini
von unserem Mitglied Peter Diez

Am 3. Januar 2018 war es endlich soweit. Benny und ich flogen an die Ostküste Südafrikas um dort ca. 30 Computer in der Maqulu Junior Secondary School in Cutwini im Pondoland einzurichten.

In East London angekommen wurden wir am Flughafen von Rommel abgeholt, dem Kontaktmann, der die Computer von Kapstadt abgeholt hatte und sie bis zu unserer Ankunft bei sich im Hilltop Empowerment Center (www.hilltop-centre.org) lagerte. Als wir dort ankamen wurden wir erst mal mit einem großen Barbecue empfangen. Genau das Richtige nach unserer 30-stündigen Reise.

Am darauf folgenden Morgen sichteten wir die Computer und die Monitore. Eine Palette war beim Transport umgefallen und entsprechend war ein Monitor defekt. Außerdem konnten wir in Deutschland nicht mehr alle Monitore vor dem Versand auf Funktion überprüfen und so stellte sich heraus, dass wir einige defekte Monitore nach Südafrika verschickt hatten. Zum Glück hatten wir weit mehr Monitore dabei als benötigt und so fingen wir an den Pickup zu beladen. Die Ladefläche des Pickups war leider etwas zu klein und so war es unser Glück, dass die Person, die für die Installation der Tische in dem neuen Computerraum verantwortlich war, es nicht geschafft hatte, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Wir kauften deshalb Spanplatten im Baumarkt um später Tische daraus bauen zu können und nutzten diese gleich als abenteuerliche Verlängerung unserer Ladefläche.

In Cutwini, dem Dorf, in dem die Schule liegt, wurden wir freudig von den Repräsentanten des Dorfes empfangen und nach einer ausgiebigen Willkommenszeremonie wurden die Computer ausgeladen.

Cutwini ist ein Dorf an der Ostküste in Südafrika, ca. 1 Stunde mit dem Auto von Lusikisiki entfernt. Im Dorf gibt es zwar Strom, aber kein fließendes Wasser bis auf den Bach, der am Dorf vorbei fließt. Als Trinkwasser wird das Regenwasser in großen Containern aufgefangen. Die Häuser im Dorf sind großflächig verstreut und so betrug der Weg von unserer Unterkunft zur Schule zu Fuß ca. 30 Min. 

Erste Herausforderung war, die Tische in dem 33qm großen Raum so zu platzieren, dass möglichst viele Computer in den Raum passten. Wir bekamen dafür tatkräftige Unterstützung aus dem Dorf, die nicht nur beim Zusammenbau der Tische sondern auch bei der Inbetriebnahme der Computer mit anpackten.

Zwei Personen aus dem Dorf halfen uns täglich bei der Installation der Computer: Kaya und Mlungisi. Wie sich im Laufe der Tage herausstellte, werden diese beiden Jungs eine große Rolle in dem Computerprojekt spielen.

Kaya, 23 Jahre jung, war in dem Dorf aufgewachsen und pflegte die letzten Jahre seine Großmutter, in deren Haus er zusammen mit seiner Schwester wohnte. Er beendete die 12. Klasse, hatte also damit einen High School Abschluss. Als ich ihn fragte, wo er in 5 Jahren stehen möchte, meinte er, dass er ein Unternehmer sein möchte um anderen Menschen Berufsaussichten zu ermöglichen. Und er möchte eine Organisation aufbauen um Menschen zu helfen, die nichts haben. Kaya war ein Mann der Tat, der das Werkzeug schon in den Händen hielt, bevor ich ausgesprochen hatte, was es als nächstes zu tun gibt.

Mlungisi (Mlu) ist ca. 35 Jahre alt und auch in Cutwini aufgewachsen. Er ist schon seit Jahren arbeitslos und versucht zwar immer wieder eine Arbeit zu finden, kann aber ausbildungstechnisch nicht viel vorweisen. Mlu tat sich etwas schwerer in die Welt der Computer einzutauchen, war aber mit großem Enthusiasmus dabei,  auch wenn sein Kopf am Abend etwas rauchte.

Die beiden bildeten ein gutes Team und durch das gemeinsame Aufbauen der Computer konnten wir den beiden Jungs einen guten Einblick in das Computersystem geben und ihnen zeigen, wie man bei der Fehlersuche am besten vorgeht.

Insgesamt dauerte es elf Tage bis die Tische aufgebaut waren, die PCs mit Edubuntu ausgestattet waren, das Netzwerk funktionierte und die Lehrer und Mlu und Kaya geschult waren und wir waren froh als dann endlich 25 PCs funktionierten.

Am Mittwoch, den 17.1. war der erste Schultag an dem auch die offizielle Übergabe der Computer in einer 2-stündigen Zeremonie mit viel Tanz, Gesang und Jubel stattfand. Die Leute aus dem Dorf waren überglücklich und konnten es nicht fassen, dass ein Traum, den sie nie zu träumen gewagt hatten, nun Wirklichkeit wurde.
Viele Personen, sowohl aus der alten Generation als auch aus der jungen Generation bedankten sich und zeigten ihrer Freude vollen Ausdruck.

Wie geht es nun weiter?

Computer einer Schule bzw. einem Dorf zu schenken ist nur ein Teil des Projektes. Viel wichtiger ist, zu gewährleisten, dass die Computer noch in 10 Jahren funktionieren. Damit das Projekt nachhaltig bestehen bleibt und im Ort Know-How aufgebaut wird, haben wir uns das folgende Konzept überlegt:

Während der Schulzeit darf die Schule kostenlos auf die Computer zurückgreifen um den Schülern Computerkompetenzen zu vermitteln. Eine Lehrerin ist dafür besonders geeignet und wird den IT-Unterricht bzw. die Nutzung der Computer in diversen Fächern vorantreiben.

Mlu und Kaya werden als Team für die Wartung der Computer verantwortlich sein. Nach Schulende dürfen die beiden den Computerraum kommerziell nutzen, so dass er dem Dorf zugutekommt. D.h., sie sollen Computerschulungen anbieten und dürfen für die Nutzung der PCs eine geringe Gebühr verlangen. Dadurch soll gewährleistet sein, dass das Dorf die Computer nutzen kann und dass die Arbeit der Wartung entsprechend honoriert wird. Da Mlu und Kaya derzeit keine feste Arbeit haben, schafft ihnen der Computerraum die Chance einen Teil ihres Lebensunterhalts zu bestreiten und ihre Kompetenzen für zukünftige Jobs zu erweitern.

Erfahrungen aus anderen Projekten hatten gezeigt, dass die Personen, die für die Wartung der Computer zuständig waren, aufgrund ihrer zunehmenden Kompetenz attraktiver für den Arbeitsmarkt wurden, irgendwann ein gutes Stellenangebot erhielten und plötzlich nicht mehr für die Wartung zur Verfügung standen. Um einem plötzlichen Know-How-Verlust vorzubeugen haben wir die Abmachung getroffen, dass sich Mlu und Kaya verpflichten, für mindestens ein Jahr die Verantwortung für die Computer zu tragen. Ziel für dieses Jahr ist es nun, dass Mlu und Kaya ein intensives Training erhalten und dieses Wissen dann so weit im Dorf verteilen, so dass es nach einem Jahr genügend Personen im Dorf gibt, die in der Lage sind, die Wartungsarbeiten und Trainings weiterzuführen.

Peter Diez, 3.02.2018