IT-Raum 1
HP bei der Arbeit
Kindergarten St. Scholastica

12/01/2014
Projektbesuch
Mission “Kenia” unterwegs

Linux4Africa hat eine neue Mission gestartet, um die St. Scholastcia School in Nairobi/Kenia mit neueren Computern und Bildschirmen auszustatten. Vor zwei Jahren wurde bereits ein Klassenzimmer EDV mäßig vernetzt, nun sollte ein zweiter Raum an den Server angeschlossen werden, vorhandene Hardware durchgeschaut mit höherer Leistung versehen werden. Drei Paletten wurden mit reichlich gespendeter Hardware bestückt und im Dezember nach Afrika verschifft. Das Timing war so geplant, dass die Sendung bei Ankunft von Hans-Peter Merkel und Michael Scholtz anfangs Januar 2014 bei den „Sisters“ vor Ort war und sofort mit der Installation begonnen werden konnte. Hier ist der Reisebericht der beiden „Missionare“

Eigentlich hat alles so toll angefangen. Hans-Peter und Michael trafen sich pünktlich am Flughafen Stuttgart, “bewaffnet” mit ihren Bordkarten, um Flug TK 607 nach Istanbul zu besteigen. Wir hatten uns für Türkisch Airline entschieden, da das Flugticket verhältnismäßig günstig war, die Airline kürzlich zur Besten Europas gekürt worden ist und weil das Freigepäck mit 46 kg (in Worten: sechsundvierzig) pro Person außerordentlich hoch ist. Allerdings hatte HP die Last seine Last wohl unterschätzt (oder erst beim Schleppen über die Treppen der Bahnhöfe bei der Anreise zum Flughafen bemerkt), denn die Koffer wogen aufgrund der mitgebrachten Hardware 52!kg. Doch die Dame am Türkisch Airline Schalter ließ Gnade vor Recht walten, zumal das Gepäck von Michael nur 20 kg auf die Waage brachte und checkte sie nach Nairobi durch.

Frohgemut, etwas müde von dem langen Flug, landeten wir pünktlich aus Istanbul kommend um 3.45 Ortszeit in der Nacht in Nairobi. Zoll-und Passkontrolle ging erstaunlich schnell, eigentlich gab es keine Zollkontrolle, denn das Gepäck war nicht da. Nach etwa 1 Stunde Wartezeit wurde den vielen! Wartenden mitgeteilt, dass ein großer Teil der Fracht in Istanbul geblieben ist und nachgeliefert werden würde. Dies betraf ca. 30 Reisende, einige von Ihnen hatten eine Safari gebucht. Der Lost-and-Found Baggage Schalter wurde gestürmt, gedrängelt und gedrückt. Glücklicherweise konnte sich HP, der die Gepäckabschnitte auf seiner Bordkarte hatte, relativ schnell und verletzungsfrei durchsetzen und wir wurden von den Schwestern Rosa und Maria in Empfang genommen. Der Transfer zur St. Scholastica School (wurde kürzlich von „Academy“ in „School“ umbenannt) vollzog sich Dank der noch frühen Morgenstunden zügig, denn die Rushhour hatte noch nicht begonnen.

Der erste Tag in Nairobi ist relativ rasch erzählt. Sister Emily, die Kloster, Schule, Internat und Krankenstation leitet, zeigt uns die Einrichtungen. Wir wollen diese hier nicht weiter beschreiben, denn Debbie, eine aus den USA stammende Praktikantin, wird mit HPs Hilfe eine Website für die Schule einrichten. Den Link geben wir dann zu einem späteren Zeitpunkt bekannt, so dass sich jeder dort informieren kann. Wir wurden den Schülern (immerhin 900 an der Zahl) vorgestellt und nahmen dann die beiden Computerräume in Augenschein. Leider mussten wir dabei feststellen, dass Charles, der IT Lehrer, vielfach Windows XP installiert hatte, der Server wegen der häufigen Stromausfälle nicht funktionsfähig war (Charles hatte die USV ausgeschaltet, um Strom zu sparen und damit das Dateisystem des Servers zerstört!). Unser Job bestand also darin, eine Bestandsaufnahme zu machen, nicht mehr Brauchbares auszusortieren, und noch Funktionsfähiges wie Festplatten, DVD-Laufwerke, CPUs etc auszubauen. Nicht nur unser Gepäck war noch nicht da, sondern auch die Paletten mit der neueren Hardware saß noch am Zoll in Mombasa fest. Aber wir waren noch hoffnungsvoll.

Da Türkisch Airline täglich Nairobi bedient, hofften wir unser Gepäck am zweiten Tag zu bekommen. Und tatsächlich, es war am Flughafen, d.h. zwei von drei Koffern waren da. Sie wurden von Sister Emily abgeholt, da wir am Vormittag zur Vorbereitung von HPs Präsentation und Training zur Strathmore University gefahren wurden. Hiervon jedoch später. Nach unserer Rückkehr von der Besprechung konnte Michael seinen Koffer in Empfang nehmen und in frische Wäsche schlüpfen, während HP noch länger leiden musste, denn die aufgegebene Hardware war da – nicht aber seine persönlichen Sachen. Aber wir konnte immerhin schon anfangen, die Computer zu testen (boot or don't boot that was the question) und nach Möglichkeiten aufzurüsten. Diese Möglichkeiten ergaben sich aus der Tatsache, dass HP ca 100 RAM verschiedener Größe und Taktung mitgebracht hatte, die sortiert und zusammengestellt werden mussten. Alle Computer wurden auf mindestens 1GB Ram aufgerüstet, das BIOS angepasst und ein kurzer Testlauf durchgeführt. Der Server wurde neu konfiguriert sowie das Netzwerk für die ersten 22 Maschinen vorbereitet. Und wir konnten das Personal motivieren, die Computertische von einer relativ dicken Staubschicht zu befreien. Als Belohnung gab es abends Popkorn und Bier, wohl auch als Dank für die mitgebrachten DVDs; der erste Movie-Abend war den „Miserablen“ gewidmet.

Obwohl uns die Paletten aus Mombasa für spätestens Sonntag avisiert wurden, kam die Nachricht vom Clearing Agent, es werde wohl Dienstag. Die Zeit wird langsam eng, denn ohne neue Hardware können wir hier nicht viel machen. Zwischenzeitlich sind drei Computer mit dem Server verbunden, die Desktop-Oberfläche wurde modifiziert und wir beginnen einige Computerharddisks für das Setup der neuen Edubuntu-Software zu partitionieren (incl. Einrichten einer Rescue-Partition). Ein weiteres Problem sind die Stromanschlüsse, den die Stecker in Kenia sind bekanntlich englischer Herkunft und wir haben natürlich deutsche Stecker. Vermutlich werden wir in einer gemeinschaftlichen Aktion mit einigen älteren Schülern alle Anschlüsse auf die hiesige Norm umpolen. Es gibt viel zu tun.